Babys Sinne

In den ersten Tagen nach der Geburt muss sich Ihr Baby erst einmal mit all seinen Sinnen an seine neue Umgebung gewöhnen. Wochenlang lebte es in seiner abgedunkelten, mit Fruchtwasser gefüllten Höhle und wartete auf den Tag seiner Ankunft …

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Hören

Schon lang vor der Geburt hat das Kind im Bauch der Mutter die vielfältigsten Geräusche wahrgenommen wie etwa das Rauschen des Blutes, das Schlagen des Herzens, das Rumoren in Magen und Darm. Aber auch Geräusche von außen konnte das Baby im Mutterleib sehr gut hören.

In den ersten Tagen nach der Geburt sind die Ohren möglicherweise noch mit etwas Fruchtwasser oder Käseschmiere verstopft. Doch schon bald kann Ihr Kind ein breites Frequenzspektrum vernehmen: Es hört Flüstertöne genauso gut wie Vogel-gezwitscher, Schritte auf Teppichboden ebenso wie das Ticken der Uhr.

Besonders vertraut aber ist die Stimme der Mutter, die es schon innerhalb der ersten zwölf Stunden nach der Geburt von anderen Stimmen unterscheiden kann. Grundsätzlich favorisieren Babys sanfte, höhere Töne, während tiefe, raue und vor allem laute (Männer-)Stimmen sie eher zusammenzucken lassen.

Sehen

Von allen Sinnen entwickelt sich das Sehvermögen zuletzt. In der dunklen Umgebung der Gebärmutter konnte es kaum stimuliert werden. Nach der Geburt müssen sich die Augen Ihres Babys erst an die Helligkeit gewöhnen. Die Sehkraft ist jetzt noch relativ schlecht, sodass Ihr Baby nur etwa 25 Zentimeter weit sehen kann. Dies ist ziemlich genau der Abstand, der auch zwischen Mutter und Baby liegt, wenn es an der Brust trinkt. Alles, was weiter weg ist, sieht Ihr Baby nur verschwommen. Mit etwa vier Wochen ist die Sehschärfe eines Säuglings in etwa vergleichbar mit der Nachtsehschärfe eines Erwachsenen.

Am besten erkennt das Neugeborene große Objekte mit starken Kontrasten, etwa schwarze Konturen auf weißem Hintergrund. Deshalb beobachtet es lieber Linien und klar definierte Figuren als ein buntes Durcheinander. Was Farben angeht, können Babys die Farbe Rot von Gelb unterscheiden, aber noch nicht Blau von Grün. Auch zarte Pastellfarben können Säuglinge vermutlich noch nicht so klar unterscheiden.

Interessant: In den ersten vier bis sechs Wochen weinen die meisten Babys, ohne Tränen zu vergießen. Das liegt daran, dass die für den Tränenfluss zuständigen Nervenbahnen noch nicht voll funktionsfähig sind.

Riechen und Schmecken

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Neugeborene von Anfang an über einen ausgeprägten Geruchssinn verfügen. Sobald das Baby nach der Geburt auf den Bauch der Mutter gelegt wird, speichert es deren spezifischen Geruch im Gedächtnis ab. Nach wenigen Tagen erkennt das Baby auch die Milch seiner Mutter und kann sie von fremder Milch unterscheiden. Darum sind Babys übrigens auch im Dunkeln in der Lage, den Weg zur Brustwarze zu finden – indem sie einfach den Duftsignalen der Warze folgen.

Auf starke Gerüche reagieren Kinder bereits im Alter von zwei Tagen mit verstärkten Strampelbewegungen, sie atmen dann schneller, und ihr Pulsschlag erhöht sich. Geruchs- und Geschmackssinn sind eng miteinander verbunden. Ihr Baby ist von Anfang an in der Lage, die vier Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig zu unterscheiden.

Übrigens: Babys haben nicht nur mehr Geschmacks-knospen im Mund als Erwachsene, diese sind auch noch über eine größere Fläche verteilt. Die Geschmacksknospen befinden sich vor allem auf der Zunge.

Fühlen

Auf jedem Quadratzentimeter Babyhaut befinden sich etwa sechs Millionen Zellen und Nervenfasern. Kein Wunder, dass die Haut ein sehr empfindliches Organ ist, das alle Berührungen ganz genau wahrnimmt. Sofort nach der Geburt kommt der Säugling mit Berührungen in Kontakt: Er wird angefasst, gestreichelt und eng umschlungen. Solche Hautkontakte sind notwendig, denn sie vermitteln das Gefühl von Sicherheit. Aber auch liebevolle Berührungen wie bei einer Massage tun dem Baby gut, da sich das Kind dann geliebt fühlt. Dies ist eine wichtige Basis, um Urvertrauen entwickeln zu können.

In seinen ersten Lebenswochen ist ein Säugling auf die Liebe und Pflege seiner Eltern angewiesen. Je mehr positive sinnliche, körperliche und geistige Erfahrungen er sammeln darf, desto besser.

Mit freundlicher Unterstützung von GU
Birgit Gebauer-Sesterhenn & Dr. Med. Manfred Praun
Das Große GU Babybuch
Umfang: 288 Seiten
ISBN: 978-3-8338-7219-8

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2020-02-03T11:12:47+02:00